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WILHELMSHAVENER ZEITUNG - Ersch.-Ort: Wilhelmshaven
Tageszeitung: 04.04.2008
"Ich wollte nicht mehr alleine sein" - Senioren - Viele Bewohner von Seniorenheimen schätzen die Gesellschaft - Geborgenheit und eine gute Versorgung zählen. StZ-Reporter haben mit Bewohnern des Wohnstifts am Rathaus gesprochen
WILHELMSHAVEN — Jährlich entscheiden sich in Deutschland fast 200 000 Menschen für eine Senioreneinrichtung. Doch diese Entscheidung wird oft nicht freiwillig getroffen. In den meisten Fällen sind es die immer größer werdenden „Wehwehchen", die die Senioren im Alter zu diesem Entschluss zwingen.
„Nach dem Tod meines Mannes blieben das Haus, der große Garten und ich über. Ohne Familie zog ich mich bald von allem zurück, das war das Schlimme", erzählt Elisabeth Postel, die im Wohnstift am Rathaus wohnt. Tiefe Depressionen, eine Therapie und ein Sturz aus dem Bett machten es für die 86-Jährige unmöglich, wieder zurück ins eigene Haus zu gehen. Heute ist sie zufrieden. „Ich habe mir von all den Möglichkeiten die Besten ausgesucht, und gestalte sie jetzt so, dass ich mich wohl fühle."
Die 82-jährige Hildegard Hoffmann brachte ein ähnliches Schicksal wie ihre Gedächtnistrainingpartnerin ins Wohnstift. Nach neun Jahren als Witwe erlitt sie
eine plötzliche Krankheit am linken Auge. „Jetzt musste ich irgendwo hingehen, wo ich Hilfe hatte", sagt die Bewohnerin. Für sie war der Umzug aber kein Verlassen der gewohnten Umgebung, welches vielen Senioren so schwer fällt. „Ich wohnte am Berliner Platz. Noch heute gucke ich von meinem Appartement auf meine alte Wohnung. Das machte den Abschied leichter." Das Mittagessen nehmen beide Bewohnerinnen zusammen ein. Elisabeth Postel freut sich über die Gesellschaft und vor allem den Kontakt zu anderen Bewohnern. Hildegard Hoffmann nimmt dagegen nicht alle Mahlzeiten ein. Morgens und abends versorgt sie sich selbst.
Doch die Entscheidung für eine Senioreneinrichtung ist nicht immer krankheitsbedingt. Für alle Senioren kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo sich ihre neuen Defizite bemerkbar machen. Es beginnt der körperliche Abbau und immer häufiger stoßen sie an ihre Grenzen. Der Haushalt wird vernachlässigt, zum Kochen fehlt die Kraft. Die Folge: keine ausgewogene und gesunde Ernährung für den ohnehin schon geschwächten Körper. Diesen Werdegang vieler Senioren kennt auch Klaus Dänekas, Leiter des Wohnstiftes. Viele seien einsam. „Deshalb steht unser Haus für den Ausgleich dieser Defizite. Hier können die Senioren an altersgerechten und ausgewogenen Mahlzeiten teilnehmen und sind in allen Bereichen versorgt."
So ähnlich hat auch Ursula Meinen gedacht, als sie sich für den Umzug ins Wohnstift entschied. Krank sei sie nicht gewesen, und auch ein enger Kontakt mit der Familie bestand. „Aber ich wollte nicht, dass sich die jungen Leute ständig nach mir richten müssen", sagt die 79-Jährige. So schwieg sie über ihr Vorhaben und plante einen Alleingang. „Die Trennung vom Haus fiel mir nicht so schwer, da ich die Entscheidung selbst für mich getroffen hatte, und es meine Vorstellungen waren, die ich realisieren konnte." Nur das Zurücklassen ihres Gartens fiel ihr schwer. „Ich fuhr auch nach dem Umzug noch einmal hin, um mir heimlich Rosen abzuschneiden."
Frauen fällt der Umzug, das Zurücklassen des eigenen Heimes oft schwerer als Männern. „Die Männer entscheiden sich für diese Einrichtung häufig nach dem Tod der Frau, weil sie dann oft im Haushalt aufgeschmissen sind", so Dänekas. Bei dem 82-jährigen Eberhard Martin gab ein Herzinfarkt den Auslöser für die Entscheidung. Nach zehn Jahren als Witwer, immer wiederkehrende schlechten Phasen, und einem Umzug von der ersten Etage in die Parterre, war der Zeitpunkt da. „Die Initiative ging von mir aus. Ich wollte nicht mehr alleine sein."
Alle vier Bewohner wissen sich heute in Sicherheit. „Wir sind betreut und haben die Gewissheit, dass im Notfall jemand da ist", erzählen sie.

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Wilhelmshaven