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Grafschafter Nachrichten (GN) - Ersch.-Ort: Nordhorn
Zeitung: 13.05.2008
Hilfe im Pflegefall - Dienstleister und Einrichtungen in der Grafschaft Bentheim
Betreut, aber individuell wohnen - Möglichkeiten für einen geborgenen und aktiven Lebensabend - Senioren und Angehörige können zwischen vielen Betreuungsformen wählen
Zu keiner anderen Zeit unseres Seins ist unsere Lebensqualität so stark von unserem Wohnumfeld abhängig wie im Alter. Schließlich verbringen Senioren mit zunehmendem Lebensalter und den eventuell damit einhergehenden physischen oder psychischen Einschränkungen den größten Teil des Tages zu Hause.
gn NORDHORN• Gleichzeitig halten ältere Menschen sehr stark am gewohnten Umfeld fest — selbst wenn sie große Probleme damit haben, sich selbst zu versorgen und die persönliche Sicherheit gar nicht mehr gewährleistet ist. Zu groß ist die Angst davor, in ein Altenheim „abgeschoben" zu werden und nicht mehr Herr seiner Entscheidungen sein zu dürfen.

Der Schritt, etwas zu verändern und Hilfe zu akzeptieren, ist für Senioren und deren Angehörige oft ein langer, mühevoller Prozess. Clara Stelljes ist 75 Jahre alt und lebt seit dem Tod ihres Mannes alleine in Emsbüren. Ihre zunehmende Arthrose in Knie- und Fußgelenken lässt den Gang in den dritten Stock ihrer Wohnung ebenso beschwerlich werden wie das Baden; doch die couragierte Dame möchte ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben: "Ich lass' mich doch nicht in so ein Altenheim sperren, wo ich nur noch darauf warte, dass ich sterbe", beharrt sie, wenn ihr einziger, in Hamburg lebender Sohn ihr vorschlägt, in eine Senioreneinrichtung zu ziehen.
Nach einer langwierigen Grippe, während der Clara Stelljes die schwierigen Umstände des Auf-sich-selbst-Gestelltseins kaum mehr bewältigen konnte, möchte sie im nächsten Krankheitsfall besser versorgt sein. "Endlich war meine Mutter dazu bereit, sich ein Seniorenwohnheim anzuschauen und die Möglichkeiten einer solchen Unterbringung kennen zu lernen", erzählt Horst Stelljes, der seine Mutter auf Grund seines Berufes und der langen Fahrtzeit nach Emsbüren nur sehr eingeschränkt unterstützen kann.
Da Clara Stelljes in ihrer alten Umgebung bleiben möchte, besuchten Mutter und Sohn das nahe Wohnstift am Vechtesee in Nordhorn. Nach der Hausführung in der großzügigen Anlage war das erste Eis gebrochen: "Es waren so viele freundliche und aufgeschlossene Senioren dort— viele sogar wesentlich jünger und aktiver als ich", erzählt die 75-Jährige. "Außerdem werden hier ganz viele Hobbygruppen und Ausflüge angeboten, die ich seit dem Tod meines Mannes sehr vermisse. Denn alleine mag ich nirgends hingehen."
Um herauszufinden, wie es sich in einem abgeschlossenen Appartement des Seniorenstifts tatsächlich wohnt, meldet sich Clara Stelljes für mehrere Tage zum Probewohnen an. „Schon am ersten Tag habe ich beim Kaffeetrinken eine ältere Dame kennen gelernt. Sie führt ihren kleinen Haushalt ganz eigenständig, nutzt aber den praktischen Service der Wäscherei und nimmt am vielen Veranstaltungen des Hauses teil. Ich hätte nie gedacht, dass man in einem Altenheim so selbstständig und sicher im Kreise anderer Senioren leben kann und sich trotzdem wie zu Hause fühlt", erklärt die alte Dame ihren Entschluss, in eines der 44 bis 64 Quadratmeter großen, nach eigenem Geschmack ausstattbaren Appartements zu ziehen. "Und wenn ich Geburtstag habe, gibt es hier einen schönen Raum zu feiern und meine Gäste, die von weither anreisen, können sogar ein Gästezimmer anmieten. Das ist fast so wie in einem Hotel."


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