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DIE NORDDEUTSCHE Ersch.-Ort: Bremen
31.7.2009 Vorwärts rein und rückwärts wieder raus
Senioren übten im BSAG-Sonderbus das sichere Ein- und Aussteigen per Rollator
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Von Iris Messerschmidt
Grambke• Mit Hebebühne oder ohne, vorwärts rein, rückwärts raus, den Rollator anheben oder nicht oder eventuell „erst gar nicht Bus fahren?" Fragen und Ängste gab es viele, „genauso viele, wie es mittlerweile Rollatoren gibt", meint Ergotherapeutin Heike Kröger-Jelden. Nur der richtige Umgang mit der Gehhilfe, der sollte besser geübt werden. Dafür stand jetzt ein Bus der BSAG vor zwei Seniorenwohnparks der Hansa-Gruppe, in Grambke und Lesum.
„Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich schon aufgesprungen bin, um zu helfen." Heike Kröger-Jelden fährt täglich mit dem Bus. Ihre Beobachtungen: "Tag für Tag gleich." Ältere Menschen, die mit Rollatoren, versuchen, den Bus zu besteigen und sich dabei regelmäßig selbst in Gefahr bringen und sogar teilweise schwere Stürze in Kauf nehmen. „Es ist schon erstaunlich, von den Krankenkassen werden zunehmend Rollatoren verschrieben, doch wie man damit umgehen muss, das wird nicht gezeigt", wunderte sich die Ergotherapeutin.
Diesen Erfahrungen aber auch den Gesprächen und Bestätigungen der Senioren im Wohnpark zollte sie Rechnung und organisierte einen „Trainingstag" „Das ist durchaus kein unübliches Verfahren. Die Problematik stellt sich nämlich immer häufiger. Aus diesem Grund bieten wir eigens diese Übungseinheiten an, selbst für Einzelpersonen", erklärte Uwe Lienesch, Leiter der Geschäftsstelle Nord der BSAG.
Gemeinsam mit Gebietsleiter und Busfahrer Peter Schröder parkte er das meterlange Gefährt morgens um 9.30 Uhr vor dem Seniorenwohnpark am Burgplatz. Kaum war Lienesch ausgestiegen, da sah er sich nicht nur einer Reihe von Fragen, sondern ebenso einer ganzer Reihe von wartenden Senioren gegenüber - mal im Rollstuhl, mal im Stuhl, mal aufgestützt auf den Rollator.
„Nicht alles Bewohner, sondern auch Gäste ", erklärte Heike Kröger-Jelden. So beispielsweise auch Renate Florian, die „gleich um die Ecke" an der Lesumsbroker Landstraße wohnt. Ihr war der sichere Einstieg in den Bus per Rollstuhl wichtig. „Wenn ich dies mit Hilfe und unter Anleitung in Ruhe üben kann, ist das doch eine tolle Sache", erklärte Renate Florian und steuerte auch gleich als erste die Vordertür an. Während Peter Schröder die Funktionsweise der Hebebühne erklärte, die Ergotherapeutin samt Rollstuhlfahrerin den besten Weg in den Bus hinein und auch wieder hinaus ausloteten, stellte sich Uwe Lienesch den Fragen der wartenden Senioren.
„Aus versicherungstechnischen Gründen zum einen und zum anderen wegen erhöhter Sturzgefahr", lautete gerade sein Bedauern und seine Begründung, warum Menschen mit Rollatoren nicht vorne per Hebebühne in den Bus können. Stattdessen gab er jetzt nützliche Tipps zum richtigen Einstieg in den hinteren Teil des Busses. "Die Vorderräder des Rollators leicht schräg kippen, in den Bus heben, die Hinterräder hinterher schieben. Erst wenn der Rollator im Bus ist, selbst für einen sicheren Halt am Türgriff sorgen und dann dem Rollator folgen beziehungsweise in den Bus einsteigen." Ein paar kleine Übungseinheiten und schon waren die ersten vier Rollatoren samt Besitzer im Bus verschwunden. Alles klar zum Ausstieg - und prompt kam der erste Fehler.
"Nicht der Rollator zuerst, sondern der Mensch!" , machten Kröger-Jelden und Lienesch ganz deutlich. In Vorwärtsbewegung mit dem Rollator über die erhöhte Stufe der Buskante, „da kann man ganz schnell das Gleichgewicht verlieren und stürzen." So hieß die Devise: „Rückwärts raus." Am Türgriff festhalten, aussteigen und dann - ähnlich wie beim Einstieg - den Rollator aus dem Bus heben.
"Wenn ich aber gerade im Bus bin und der anfährt, habe ich auch mit Rollator keinen Halt mehr", machte ein älterer Herr seinem Unmut bei Lienesch Luft. Im weiteren Gesprächsverlauf kam dann allerdings die eigentliche Problematik heraus. „Ich warte immer, bis alle anderen eingestiegen sind, begebe mich dann als letzter in den Bus", gestand der Senior. „Falsch", meinte Lienesch. Rücksicht nehmen sei ja sehr schön, „ist leider im alltäglichen Busbetrieb auch nicht von anderen Mitfahrenden zu erwarten". So lautete sein Tipp an alle Rollator-Benutzer: „Steigen Sie zuerst ein. Das hält vielleicht die weiteren Mitfahrer ein wenig auf, gestattet Ihnen aber die Möglichkeit, noch vor Anfahren des Busses einen sicheren Platz oder Halt zu finden."
Eineinhalb Stunden in Grambke, zweieinhalb Stunden in Lesum - das kostenlose Ein- und Ausstiegsstraining der BSAG fand bei Seniorenparkbewohnern, Gästen und Ergotherapeutin großen Anklang. Allerdings: Wer sich für solch ein Training zu einem festen Termin interessiert, sollte sich rechtzeitig vorab erkundigen und anmelden. Möglich sind beispielsweise auch Übungen beim Ein-oder Ausstieg in die Straßenbahn, dies bedarf alles vorheriger Organisation. |
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