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WAZ - Ersch.-Ort: Dorsten
Tageszeitung: 10.07.2009
Sagenhaft viele Ideen
Schüler und Senioren: Junge Bilder vom Alter
Ursel Beier

DORSTEN• Modern, fröhlich, überraschend und auch handwerklich top. So fielen die 1x1 Meter großen Arbeiten aus, die Senioren und junge Leute gestern im Seniorenzentrum St. Elisabeth präsentierten.

Nichts Betuliches, nichts einfach Hingemaltes störte den Genuss der Betrachter. Da hatten sich beide Seiten richtig reingehängt in ihr gemeinsames Projekt „Junge Bilder vom Alter".

Auf Betreiben der „Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien" mit Sitz in Raesfeld kamen sie zusammen: Elf Seniorinnen und ein Senior des Seniorenzentrums St. Elisabeth und 15 Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule.

Die Altersspanne ist beachtlich: 15 bis 95 Jahre. Die Jungen und die Alten wählten zunächst Bilder bekannter Künstler aus, an deren Stil sie sich orientieren wollten: Andy Warhol, James Rizzi, Keith Haring, Friedensreich Hundertwasser und Heinz E. Hirscher, Spezialist für Materialkollagen aus Baden-Württemberg.
„Darüber kamen dann die ersten Gespräche zustande", sagt Karlheinz Strötzel von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG), der die Gruppe mit seiner Kollegin Heidi Stein künstlerisch betreute. Zu den Initiatoren gehörte auch Kunstlehrer Rolf Noack von der Geschwister-Scholl-Schule. „Die Ruhe selbst" lobten ihn die älteren Frauen, „und er konnte wunderbar singen."

»Früher war zu viel Respekt und Angst im Spiel«

Mit den Jungen sprachen sie dann auch mal allgemein über den Stil, in dem heute Schüler und Lehrer miteinander umgehen. „Völlig anders als früher, als zu viel Respekt, zu viel Angst im Spiel war", betont Gerda Becker (84).

Mit dem 17-jährigen Dennis Grabowski hat sie viel geredet über ihr gemeinsames weiß-rot-schwarzes Werk nach Vorbild von Keith Haring. Ihr Arbeitstitel: "Die Zwei". Ihre Darstellung: Die Zwei, nämlich Jung und Alt, feiern zusammen, tanzen zusammen, sind guter Dinge.

So wie die beiden Schöpfer, die sich prima miteinander amüsiert haben. Zum Beispiel staunte die 84-Jährige nicht schlecht über eine doch sehr spitzblättrige Tulpe des jungen Mitgestalters. Sie lacht und sagt: „Wir haben alles selbst erdacht und entworfen."
So war's auch bei den anderen. Viele von ihnen waren schon mit von der Partie beim ersten Projekt 2008. „Daraus haben sich so gute Freundschaften entwickelt", berichtet Inge Zarmann, mit 74 eine der jüngsten Alten.

»Wir unterhalten uns, wenn wir uns zufällig treffen in der Stadt«

„Außerdem haben wir danach unser Erzähl-Cafe` gegründet, in dem wir uns einmal wöchentlich, angeregt von einem bestimmten Thema, Geschichten aus unserem Leben erzählen."

„Die jungen Leute sind alle so nett", freuen sich die Frauen. „´treffen wir uns zufällig in der Stadt, unterhalten wir uns".

Ohne Projekt wäre das wohl nicht passiert. Und schließlich ist das unbefangene Gespräch zwischen Jung und Alt auch der Grund, aus dem die genarationenübergreifenden Projekte, finanziert aus dem Landesjugendförderplan NRW, ins Leben gerufen wurden.

Auch Ulrich Kunze, Leiter des Seniorenzentrums, gefällt, was die altersgemischte Kreativgruppe ab Dezember in jeweils zwei Stunden pro Woche geschaffen hat: „So viele Ideen - sagenhaft." — Nun wird in Seniorenhaus und Schule über eine dauerhafte Partnerschaft nachgedacht.
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Senioren Seniorenheim