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Grafschafter Nachrichten (GN) - Ersch.-Ort: Nordhorn
Zeitung: 19. August 2009 Kunst bringt Generationen an einen Tisch - Kunstschule der Städtischen Galerie und das Wohnstift am Vechtesee starten Projekt „Jung trifft Alt“. „Wir werden weniger — und wir werden immer älter“: Diese Entwicklung der alternden Gesellschaft beschäftigt nun auch die Kunstschule der Städtischen Galerie. Damit der demografische Wandel nicht entfremdende Barrieren schafft, sondern über die Brücke der Kunst ein Dialog zwischen den Generationen in Gang kommt und das Interesse älterer Menschen an Kultur und Bildung über den Kontakt zur Jugend wach bleibt, hat die Kunstschule jetzt mit Senioren des benachbarten Wohnstifts am Vechtesee das Projekt "Jung trifft Alt" gestartet.
Von Thomas Kriegisch
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Nordhorn• „Ziel des Modellprojektes ist es, neue Wege aufzuzeigen, wie die nachwachsende junge Generation mit den älteren Menschen, die das kulturelle Gesicht der Zukunft prägen werden, auf künstlerische Weise in Dialog gebracht werden kann", berichteten am Montag Kulturfachbereichsleiterin Cornelia Baumann, Galerieleiterin Veronika Olbrich und
Kunstschulleiterin Karin Heidinger-Pena über das Vorhaben. Es ist Teil des neuen Modellprojektes „Generationen verbinden", das mit zweijähriger Laufzeit vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur ausgeschrieben wurde.
Die Kunstschule der Städtischen Galerie ist dabei eine von nur neun niedersächsischen Kunstschulen, die vom Ministerium gefördert werden. Die Initiative zum generationsübergreifenden Dialog auf Grundlage von Kunst und Kunstvermittlung ging dabei von Nordhorn aus. Von den 40 Kunstschulen in Niedersachsen, die Mitglied im Landesverband der Kunstschulen sind, hatten etwa 20 Einrichtungen Vorschläge zum Modellprojekt eingereicht, aus denen dann das Nordhorner Projekt als eines von neun Vorhaben ausgewählt wurde. Fachbereichsleiterin Baumann hat dabei nicht nur im Kulturministerium den maßgeblichen Anstoß zum Modellprojekt „Generationen verbinden" gegeben, sondern auch die Patenschaft für das Projekt der Kunstschule der Städtischen Galerie übernommen. Gefördert wird Nordhorns Projekt „Jung trifft Alt" nun mit 16 000 Euro aus Landesmitteln sowie 2000 Euro von der Grafschafter Sparkassenstiftung.
„Unter dem Motto ,Wir werden weniger und wir werden älter' bieten vor allem die Kunstschulen mit ihrer langjährigen Erfahrung im Einsatz von Kunst als Bildungsmittel zum lebenslangen Lernen optimale praktische Vorraussetzungen", wissen Olbrich und Heidinger-Pena. Und wenn "Kunst für alle ist", dann auch für die Generation "60 plus", die über das Projekt zur Teilhabe an Ausstellungen und Kunstvermittlung der Galerie begeistert werden soll.
Offiziell gestartet wurde das neue Projekt am 1. Juli. Die Hausleitung des Vechtestiftes, Andrea Mätzke und Melanie Thöben, sowie die Ergotherapeutin Kathrin Schliewe brachten in der Vorbereitung interessierte Senioren und Kunstschule an einen Tisch. 14 Stiftbewohner und fünf 14 bis 16 Jahre alte Kunstschüler haben schließlich das Projekt mit einer Interviewserie gestartet, die Senioren und Jugendliche erstmals zusammenbrachte. Mit Unterstützung der Theaterpädagogin Simone Wrede erarbeiteten die Kunstschüler für die Interviews Fragen, die ein behutsames Aufeinanderzugehen ermöglichen sollen: „Wir müssen den Kontakt zwischen individuellen Menschen herstellen - nicht zwischen Jung und Alt." Diese bis zu 30 Minuten langen Interviews werden aufgezeichnet und finden Eingang in die Abschlusspräsentation, die voraussichtlich im Februar 2010 zu sehen sein wird.
Im weiteren Verlauf des Projektes sollen dann neue Formen der Kunstvermittlung für ältere Menschen erprobt werden, die auch die Jugendlichen „zu bürgerschaftlichem Engagement und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein motivieren können". So stehen im Herbstsemester die Türen der „Labore" der Kunstschulkinder den Senioren des Projektes kostenlos offen.
Ebenfalls im Herbst wird die Ausstellung „Ich bin gerne Bauer und möchte es auch gerne bleiben" von Antje Schiffers und Thomas Sprenger den Einstieg in die Kunstvermittlung von und für ältere Menschen darstellen. Vor allem der dialogische Charakter der Arbeit von Antje Schiffers und Thomas Sprenger ist ein idealer Ansatzpunkt, um die am Projekt beteiligten Senioren nachhaltig als neue Besuchergruppe für die Städtische Galerie und die Kunstschule zu gewinnen und für zeitgenössische Kunst als Bildungsmittel zu interessieren", meinen Olbrich und Heidinger-Pena.
Die Künstler Antje Schiffers und Thomas Sprenger haben mit Landwirten in ganz Europa „Tauschgeschäfte" abgewickelt, indem sie ein Gemälde vom Hof gegen die Video- und Audioaufzeichnungen aus dem Alltag und der Vergangenheit der Bauern tauschten. Ein ähnliches „Tauschgeschäft" findet auch zwischen den Senioren und den Jugendlichen in der ersten Projektphase statt, in der die älteren Menschen über ihre Lebenserfahrungen sprechen - und von den jungen Menschen dafür Hilfe bei der Nutzung der Neuen Medien, bei Handy, PC und Digitalkamera erhalten - oder auch schlicht eine Begleitung beim Spaziergang.
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